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Führt mich zum Papst! Gewährt mir eine
Privataudienz und macht mich zum Mitglied der einen, heiligen, katholischen
und vor allem: apostolischen Kirche!! Möge Gott mir meine vergangenen
ketzerischen Bemerkungen verzeihen - denn schon während des Konzerts der
Hochschule für evangelische (!) Kirchenmusik, dem Heiligen Carolus der
Bayreuther Kirchenmusik, also unter Maestro Karl Rathgeber, fühlte ich, dass
mein nächster Rom-Besuch etwas anderem gelten würde als der reinen Kunst.
Im Ernst: Wer sich Giacomo Puccinis originelle Messa da Gloria und Giuseppe
Verdis ingeniöse „Quattro pezzi sacri” in der Stadtkirche anhören durfte,
wird gespürt haben, dass er einem großen musikalischen Ereignis beiwohnte,
das sich an wichtigen Stellen ins Spirituelle hochwand. Der Chor der
Hochschule hat, zusammen mit dem Konzertchor der Hochschule für katholische
Kirchenmusik Regensburg - ein Hoch auf die Ökumene! - und den Prager
Philharmonikern, zwei Hauptwerke der italienischen Kirchengeschichte auf
schlichtweg vollkommene Weise gebracht.
Der Kirchenraum spielt mit
Wer indes Puccinis Jugendwerk und den Altersstücken des greisen Verdi
Opernhaftigkeit vorwirft, hat zwar nicht ganz Unrecht, trifft aber nicht den
Kern. Den beiden Meistern gelangen geistliche Vertonungen, die die
Sinnlosigkeit weltlicher und geistlicher Kategorien belegen. Hier treffen
sie sich mit Mozarts c-Moll-Messe, die am folgenden Tag aufgeführt wurde,
aber anders als die Stadthalle spielt der Kirchenraum hier glänzend mit: Wie
sich die Streicher, in der Einleitung der Messe, in die Höhe des Chorraums
emporbewegen, ist schon ätherisch. Die wundersam naive Heiterkeit des
weiblichen „Gloria”, filigranen Details im Tenorsolo, das von Bernhard
Schneider in bewährter Stimmschönheit gebracht wird - ein Gratias dafür -,
die wahrlich glänzende, ergreifend reine Trompetenfanfare, der Frauenchor im
„Et incarnatus”, die monumentale, doch nicht derbe Gewalt des „Credo in
spiritum sanctum”: Das sind nur wenige Beispiele, die für den
außerordentlich gelungenen Klang des Chors, für die Orchesterklangkultur der
beglückend gut disponierten Prager Philharmoniker einstehen mögen. Schwer,
darüber zu schreiben - und noch schwerer, über die vier Stücke Verdis zu
schreiben. Das Ensemble bringt die verschiedenen Töne zwischen opernhafter
Dramatik, lyrischer Vergessenheit und archaischem Choralgesang in einer
Vollkommenheit, die nicht mit artistischer Glätte verwechselt werden kann.
Diese Stücke gehören kaum in den Konzertsaal, in dem sie gelegentlich
erscheinen. Die fahlen, in die Stille hineinfallenden Seufzer-Motive des
Stabat mater kommen, beispielsweise, erst im Hallraum unübertroffen zur
Geltung. Hier die bewegende Erinnerung an die flandrischen Gesandten des
„Don Carlos”, dort die sublimen Frauenstimmen in Dantes „Laudi”, herrlich
schließlich der mächtige Bittgesang des „Salvum fac populum” des Te Deum:
Auch das sind nur wenige Beispiele einer Interpretationskunst, die man
schwer, nein: sehr schwer vermissen müsste, schlösse die Hochschule für
evangelische Kirchenmusik ihre Pforten. Der Verlust für das Bayreuther
Konzertleben wäre kaum zu ermessen.
Käme ein ungläubiger Rezensent sonst auf den Gedanken, sich in die Gemeinde
der apostolischen Kirche einzugliedern?

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