Bayerische Rundschau am 22.05.2007

Bewegt von der Macht der Musik -
Chor der Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth präsentierte mit den Prager Philharmonikern in der Petrikirche Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“.

Kulmbach - Rund 180 Sänger und Musiker entzündeten unter der Leitung von Karl Rathgeber in der Petrikirche ein Feuerwerk der Musik. Kein geringeres Werk als Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“ hatte sich der Chor der Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth unter Mitwirkung von Gästen, Ehemaligen und Männerstimmen des Bach-Chores Coburg, gemeinsam mit den Prager Philharmonikern vorgenommen.

Eigentlich sollte Verdis berühmte Totenmesse in der Stadtkirche in Bayreuth aufgeführt werden. Doch die ist wegen Einsturzgefahr gesperrt. So beschlossen die beiden Oberbürgermeister Henry Schramm und Dr. Michael Hohl, gemeinsam die Schirmherschaft zu übernehmen und holten mit Unterstützung des Dekanats das Konzert in die ehrwürdige Petrikirche nach Kulmbach.

Ein Glücksfall für alle Freunde guter Musik, stellte sich heraus. Aus Kulmbach und Bayreuth pilgerten Verdi-Fans und Kirchenmusik-Liebhaber zur Petrikirche hinauf. Und sie wurden reich belohnt. Denn sowohl der Chor als auch die Solisten Carole FitzPatrick (Sopran), Kerstin Descher (Mezzosopran) sowie Bernhard Schneider (Tenor) und Manfred Volz (Bass) rührten die Herzen der Menschen an.

Ganz leise begann der Konzertgenuss der Extraklasse: Die Streicher säuselten mit Dämpfer, die Sänger flüsterten die Worte: „Requiem aeternam dona eis, Domine, et lux erpetua luceat eis“ (Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen). Das Publikum hielt den Atem an ob der Zerbrechlichkeit der Töne. Doch ein fulminantes Crescendo änderte schon nach wenigen Minuten die Stimmung grundlegend.

Von den Worten „Tag der Rache, Tag der Sünden, wird das Weltall sich entzünden“ wurde die Kirche erschüttert. Der Chor und die Prager Philharmoniker gaben alles. Schlagwerk donnerte durch das Gotteshaus. Plötzlich war der Zorn Gottes, den Verdi mit sämtlichen kompositorischen Kniffen versuchte nachzufühlen, überdeutlich spürbar. Er war mit voller Kraft und ganzer Wucht präsent. Verständlich für alle, die Verdis Geschichte kennen: Denn schließlich hat der Komponist seine Ehefrau Margherita und zwei Kinder durch Tod verloren.

Geradezu flehentlich schloss sich dann das „Offertio“ an: „Herr Jesu Christus, König der Herrlichkeit, bewahre die Seelen aller verstorbenen Gäubigen vor den Qualen der Hölle und vor den Tiefen der Unterwelt“ und vielversprechend positiv zeigte sich das berühmte Sanctus. Beim „Agnus Dei“ überzeugten Carole FitzPatrick (Sopran) und Kerstin Descher (Mezzosopran).Und das Communio, das die Streicher mit glockenähnlichen Klängen eröffneten, gestalteten die Solisten Kerstin Descher (Mezzosopran), Bernhard Schneider (Tenor) und Manfred Volz (Bass).

Höhepunkt der Totenmesse jedoch war das „Libera me“. Eigentlich hatte Verdi den Schlussatz unter dem Eindruck des Todes des berühmten Komponisten Gioacchino Rossini schon Jahre vor der Totenmesse komponiert. Zwölf bedeutende Komponisten Italiens sollten gemeinsam eine Totenmesse komponieren, doch eine Aufführung kam nie zustande. Und so holte Verdi Jahre später sein „Libera me“ wieder hervor, nachdem der Dichter Alessandro Manzoni verstorben war. Das „Libera me“ wurde zur Keimzelle Verdis berühmter Totenmesse.

Noch einmal erschütterten die Erzählungen des Chores vom „Tag des Zorns, des Unheils, des Elends“ das Gotteshaus, gaben in voller Dramatik – ganz nach Art eines Opernkomponisten – die Ohnmacht der Menschen und den unglaublichen Schmerz wieder. Zutiefst beeindruckt, bewegt von der ungeheueren Macht der Musik, aber auch gerührt im Herzen, ließen die Zuhörer in der Petrikirche die letzten Töne minutenlang im Kirchschiff verklingen – ehe tosender Applaus die Spannung löste und die Bewunderung für Verdi und die Interpreten des großartigen Meisterwerkes zum Ausdruck brachten. Sonny Adam

 

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